Ein Sidepull im Stil eines Ritterzaums, gefertigt von der Sattlerei Koch.
Ein Sidepull im Stil eines Ritterzaums, gefertigt von der Sattlerei Koch.

Eine der verbreitesten und auch beliebtesten Zäumungen ist das Sidepull.

Es gibt viele unterschiedliche Ausführungen die dann auch über Nutzung

und Einwirkung entscheiden.

 

Es gibt Sidepulls zum Beispiel komplett aus Leder, aus Biothane, geflochten,

mit Nasenriemen aus Lassoseil oder auch aus Rohhaut, es gibt sie als komplette Zäumung oder nur das Nasenteil zum Einschnallen in jede beliebige Trense.

Arbeite ich ein junges Pferd unter'm Sattel, greife ich in den meisten Fällen zum Sidepull aus Leder (oder zum Caveçon, die Wirkung bleibt ja an sich ähnlich oder gar gleich).

 

 

Natürlich gilt es auch hier wie bereits erwähnt darauf zu achten, welches Sidepull

ich nun für welchen Zweck verwende.

Die verschiedenen Ausführungen lassen es auch in seiner potenziellen Schärfe unterschiedlich ausfallen.

 

Es wird immer gerne behauptet, dass das Sidepull nicht für das Reiten in Anlehnung (wobei der Begriff "Anlehnung" wohl ohnehin eines der Worte mit den unterschiedlichsten Definitionen ist)

geeignet sein soll.

Dem kann ich nur begrenzt zustimmen bzw widersprechen, denn es hängt auch hier wieder maßgeblich von der jeweiligen Ausführung des Sidepulls ab.

Dass ein Sidepull mit schmalem Nasenriemen aus Rohhaut oder Lassoseil nicht für dauerhaften, permanenten Kontakt sondern eher für leichte und kurze Impulse geeignet ist, sollte wohl klar sein. 

Habe ich hingegen ein Sidepull mit einem breiten, weichen Ledernasenriemen, ja dann sieht das Ganze schon wieder etwas anders aus. 

Und genau diese Variante nutze ich für die Dressurarbeit.

Gut, ich wünsche mir immer auch ein Pferd das auf Impulse, kleinste Signale reagiert und sich lernt in Selbsthaltung zu tragen, aber auf dem Weg dahin brauche ich dennoch phasenweise das, was wohl landläufig als Anlehnung definiert wird, und hier ist mir das Sidepull mit dem breiten Ledernasenriemen genau das richtige "Werkzeug".

Die Hilfen kommen direkt und unverfälscht an, ich habe eine sehr gute seitliche Einwirkung und ich schnalle meine Sidepulls auch immer so locker, dass die Pferde sich problemlos im Unterkiefer lockern können,

es engt nichts ein, es zieht sich nichts um den Kopf herum zu und ich habe keinen Hebel der die Kraftübertragung vergrößert.

Für mich ist das Sidepull also sozusagen das gebisslose Pendant zur einfach oder doppelt gebrochenen Wassertrense, sofern es übertragbar und vergleichbar ist.

Gebe ich nach, dann kann ich sicher sein, dass auch die Zäumung nachgibt und das Pferd keinen Druck mehr spürt, die Hilfen sind also immer klar und unmissverständlich.

Damit eignet sich diese Zäumung meiner Ansicht nach auch für jeden Zweck und alle Sparten der Reiterei, man sollte dann lediglich die Variante wählen die für die eigene Reitweise am geeignetsten ist.

Das Sidepull kann auch in Kombinaton mit einem Gebiss genutzt werden, entweder zur Umstellung auf das gebisslose Reiten oder aber auch zur Gewöhnung an das Gebiss.